Johannesfeuer am 24. Juni






Johannesfeuer zum Johannestag am 24. Juni 2019. Ca. 80 Personen waren dabei


Vikarin Klein gab diesen Impuls:


Impuls „Ein Vorgeschmack auf das Licht“


Ein Vorgeschmack auf das Licht“


Ein Vorgeschmack auf das Licht, das an Weihnachten in die Welt kommt...

Weihnachten im Sommer? Das ist doch noch weit weg... auch wenn die Lebkuchen gefühlt bald schon wieder in den Regalen liegen – ein Grund mehr, nicht jetzt schon von Weihnachten zu reden!

Jetzt ist erstmal Sommer. Stimmt.


Außerdem hat Weihnachten ja auch einen Grund:


Wenn die Tage dunkler werden und die Stimmung auch, da fällt es viel leichter zu reden über Dunkelheit, Traurigkeit, Ungerechtigkeit, Ärger, Zweifel, Angst...

Wenn ein grauer Schleier der Dunkelheit leise unterwegs ist und sich auf unsere Augen legt, auf unsere Gedanken und unser Herz... dann ist es gut, dass Weihnachten kommt! Dann sehnen wir uns nach dem Licht und können es manchmal kaum erwarten, bis der Durst und der Hunger nach Funken gestillt werden, die unsere Dunkelheit erhellen.


Aber jetzt ist doch erstmal Sommer!

Reicht doch, wenn wir im Advent wieder mit dem Trübsal anfangen und jetzt das Leben genießen und das Licht und die Wärme. Die brüllende Hitze, das kühle Eis, die erfrischende Weißweinschorle, die bunten Blumen und die summenden und fliegenden kleinen Freunde, die uns Honig machen – oder die summenden und stechenden kleinen Biester, die einfach nur da sind – und nerven.

Sommer heißt tanzen, heißt genießen, heißt Urlaub, faulenzen und bis in die Nacht quatschen, lange draußen sitzen, den Sternenhimmel bewundern oder sich über warmen Sommerregen freuen.

Weihnachten im Sommer? Licht haben wir doch genug. Die Tage sind hell, die Sonne scheint – nicht immer, aber diese Woche besonders! Und die Stimmung ist fantastisch. Ob Dopamin oder Serotonin, Vitamin D sei Dank, es geht uns gut, wenn die Sonne scheint.


Aber das Licht, von dem Johannes spricht, ist ein anderes. Das Licht von Weihnachten brauchen wir nicht nur an kalten, verschneiten und grauen Wintertagen. Denn wenn der dunkle Schleier sich über uns legt, können die Temperaturen draußen noch so in die Höhe ragen – dann hungern und dürsten wir trotzdem und verzagen.


Das Licht von Weihnachten brauchen wir nicht nur an kalten, verschneiten und grauen Wintertagen.


Wir brauchen das Licht von Weihnachten, wenn wir uns nach Geborgenheit sehnen und das Licht des Sommers nur mit den schwarzen Gläsern unserer Sonnenbrille ertragen. Die Welt braucht das Licht von Weihnachten, wenn tagelange Hitze, ausgetrocknete Felder und ausbleibende Ernten uns das Wort Klimawandel auf die Stirn schreiben. Ich brauche das Licht von Weihnachten, wenn ein Leben zu Ende geht und ich nicht weiß, ob ich vor diesem Kreislauf des Lebens staunen oder schreien soll.


Soll Weihnachten erst kommen, wenn die Tage dunkler werden?

Wenn der Licht-Entzug einsetzt und die Stimmung schwankt – keine Sonne, kein Vitamin D, keine Wärme, keine Lust, kein Lachen?

Wir brauchen das Licht, das die Stimmung hebt. Auf das wir bauen können, vertrauen und damit wieder nach vorne schauen.

Wir brauchen das Licht nicht erst an Weihnachten und grauen dunklen Wintertagen, sondern an den hellsten Tagen des Sommers, wo man die Dunkelheit viel schwerer sieht: Versteckt hinter schwarzen Sonnenbrillen, ausgetrockneten Feldern und einem leisen Atem.

Wir brauchen das Licht jetzt wo es noch hell ist und warm! Heute erinnert uns Johannes daran, dass das Licht von Weihnachten – dass Gott selbst – schon längst in diese Welt kam.


Sommerweihnacht“ – so wird der Johannestag auch genannt.


Es ist ein Vorgeschmack auf das Licht.

Das wir brauchen, wenn das Leben und die Welt zerbricht.

Amen.